Einige Sekunden Ladezeit beachten           Das Amt Bissendorf – Brandkassen-Nr. 72

                                                                                         Heute: Am Markt 1 + Burgwedeler Str. 2

Teil 1 - Das Herrschaftshaus

 

Auf dem Amt Hofe: Das herrschaftliche Ablagerhaus, worin der derzeitige Amtsvogt wohnet. Gemessen 1993 von Dipl. Ing. Bernd Adam et alii:

Es ist 21,40 m lang und 10,40 m breit, (73 x 35 Fuß an der Ostseite und 40 Fuß an der Westseite breit) also hier über 5,00 m Länge 11,65 m breit. Versichert mit 2000 rtl.

Die Toiletten auf der Südseite sind bei dieser Messung nicht berücksichtigt worden, da sie 1993 nicht mehr vorhanden waren.

Am 15. 01. 2003 nachgemessen in Meter: Länge Nord: 21,45, Breite West: 11,65, Breite Ost: 10,17, Länge West: 21,47. Vorsprung Südwest: 1,31, Vorsprung Süd: 0,32 Länge von Vorsprung Südwest bis Vorsprung Süd: 8,25, Länge von Vorsprung Süd bis Ostseite: 8,28. (Auf dem Plan von 1817 mit >a< bezeichnet)

Über der Eingangstür steht geschrieben: H. Busse MDCCCLXXXXII (1892) Sophie Busse

Da es keine alte Jahreszahl an dem Gebäude gibt und bei der Vermessung 1993 keine >dentrochondrologische< Untersuchung statt gefunden hat, kann man das Alter des Bauwerkes bestimmen, wenn man sich danach richtet, wie die Holzverzierung in Form einer Rauten-Ornamentik in Verbindung mit der Laubstab-Ornamentik (an der Ostseite) gestaltet ist und diese mit Häusern in Celle, im Weserraum und im nahen Gutsschloß in Elze vergleicht. So kommt man ungefähr auf das Jahr 1560, da diese Ornamentik an den verbliebenen Häusern nur über wenige Jahre verwendet wurde. Siehe nächste Seite.

Der Westflügel, der sich in der Struktur des Fachwerks deutlich vom Ostflügel abhebt, ist 1611 nach Dehio angefügt worden.

Quelle: >Georg Dehio<, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bremen Niedersachsen Berlin 1992, Seite: 226.


Westeingang zum Amtshof mit den 2 Torpfeilern
Nach Auflösung der Amtsverwaltung 1859 wurden die Gebäude und das dazugehörige landwirtschaftlich genutzte Land verkauft
Verkauf des herrschaftlichen Reviers im Moorbruch von 77 Morgen und 45 Quadratruthen. Des Hegesandes 114 Morgen und 84 Quadratruthen. Des Moorbruches von 17 Morgen und 116 Quadratruthen. Das angebotene Gelände ist parzelliert und verkauft worden.
1867 unter der Artikel-Nr. 69 war der Kaufmann Friedrich Thies Eigentümer des ehemaligen Amtshofes. Dieser hat zur selben Zeit auch die Hofstellen Nr. 2 und Nr. 23 in Bissendorf inne.
An der Nordseite des 1819 erbauten Wirtschaftsgebäudes war von 1892 - 1895 hilfsweise die Gastwirtschaft Krentler untergebracht worden, nachdem sein Lokal gegenüber auf der Nr. 70 1892 niedergebrannt war. Von 1895 - 1910 hat Thies dort einen Kolonialwarenladen und Wachshandel eingerichtet, den er dort auch noch betrieb, als er um 1889 den Amtshof an den Tischlermeister Busse verkauft hatte.  Zur gleichen Zeit ist wahrscheinlich das Kavaliershaus an die Nr. 44, seinerzeit an Albin Rehbein verkauft worden, da dieses Gebäude und der kleine Amtsgarten ihm nach Osten zu direkt benachbart waren.
Der große Amtsgarten war um 1900 im Besitz des Kaufmanns Dangers, Biss. Nr. 64. Dieser hat ihn 1935 an den Lehrer und Heimatdichter Hinrich Braasch verkauft. Das ganze Grundstück ist inzwischen völlig parzelliert und bebaut worden, so daß man das ehemalige Lusthaus, das mitten auf dem Grundstück steht, nicht mehr von der Straße Am Kummerberg aus sehen kann.
Um 1874 hat Thies durch wirtschaftliche Mißerfolge die Amtshofgebäude der Gemeinde Bissendorf zum Kauf angeboten, wie wir aus der Zeichnung aus diesem Jahr wissen. Denn ursprünglich wollte diese die zwei zu klein gewordenen Schulen in dieses Gebäude verlegen. 1890 findet man in der Liste der Verkoppelungsinteressenten unter der Bezeichnung >bk< Frieda Busse minor verzeichnet. Diese Buchstabenkombination gehört zu dem ehemaligen Amtshaushalt.


Kurhannoversche Landesaufnahme 1771; Karte Nr. 25564 / 109, Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Dorfbild Bissendorfs mit 70 Feuerstellen, Nord und westliche Ackerflur Bissendorf, Maßstab der Originalkarte ca. 1: 23000



Nicht datierter Plan des Amtshofes in Bissendorf. Entstanden um 1714 oder um 1814. Nachzeichnung des Grundrisses, schwarz, des zu erbauenden neuen Dienstgebäudes um 1816 in den alten Plan des Hauses d/d hinein. Heute das Bürgerhaus im selben Grundriss, siehe weiter unten.
Die Zeichnung ist, wie damals üblich, nicht eingenordet.
Quelle: Staatshochbauamt in Celle. Keine Signatur dort.
2003 sind die Pläne und Skizzen des Amtshofes im NSHStA in Hannover unter der Signatur Mappe 1550 und Mappe 1551, Kartenakzessionen 1390 und 1391 archiviert worden.

1955: Bissendorf erhält im Wohnschloß des alten Amtes eine Gemeindeverwaltung. Weihnachten wurde die Gemeinde Besitzerin des historischen Gebäudes

Bissendorf (Kr. Burgdorf). Es war Zufall, daß gerade zu Weihnachten das Amtshaus nach langwierigen Verhandlungen in den Besitz der Gemeinde Bissendorf überging. Wahrlich ein schönes Weihnachtsgeschenk, das, verglichen mit den sonstigen dörflichen Begebenheiten im Jahre 1955, doch von überragender Bedeutung ist. Bereits vor Monaten faßte der Gemeinderat den fast einmütigen Beschluß, das Amtshaus zu erwerben, um diesen bedeutsamen Profanbau der Wedemark vor dem gänzlichen Verfall zu bewahren. Denn seit beinahe 80 Jahren ist das historische Gebäude in Privatbesitz; es wird augenblicklich noch von neun Familien mit insgesamt 20 Personen bewohnt. Nun sollen mit der Zeit die Wohnungen freigemacht werden, um die Räume unten rechts der Kreissparkasse Burgdorf für ihre neue Hauptzweigstelle Bissendorf zur Verfügung zu stellen und die Räume linker Hand des breiten Flurs als Verwaltungsräume der Gemeinde einzurichten. Später soll dann noch im obe­ren Stockwerk ein Sitzungssaal geschaffen werden als würdige Versammlungsstätte der Gemeindevertreter.
Über das Gebäude ist zu berichten, daß es im alten Kern des Dorfes liegt, gegenüber der ehrwürdigen, höherliegenden Kirche aus dem Jahre 1768 und ihrem viel älteren Turm. Will man den Amtshof von der Gottfried-August-Bürger-Straße aus betreten, erblickt man zu beiden Seiten des alten Tores zwei Obelisken, von denen der eine sogar in das neue Gemeindewappen aufgenommen wurde. Er zeigt die Anfangsbuchstaben GW der Namen Georg Wilhelm, wie ein Celler Herzog hieß, der im Jahre 1691 dieses Gebäude errichten ließ, anfänglich als Jagdschloß, in dem die Räumlichkeiten den Teilnehmern an den herzoglichen Jagden als Raststätte dienten. Später ist dann das Amtshaus Sitz des Amtsrichters (Amtsvogts) geworden, der von hier aus die Geschicke der 1560 gegründeten Amtsvogtei Bissendorf  leitete, die nach 1818, als die Vogtei Essel eingegliedert wurde, von der Wietze bis zur Aller reichte, bis dann um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Amtsvogtei Bissendorf aufgelöst und mit der Amtsvogtei Burgwedel zusammengelegt wurde.
Das Bissendorfer Gebäude ging sogar in die Geschichte ein. Denn in seinen Räumen wurde im Jahre 1694 über das fernere Schicksal der Kurprinzessin Sophie Dorothea (genannt ,,Prinzessin von Ahlden“) verhandelt, die nach diesem Urteilsspruch in Bissendorf in die Verbannung nach Ahlden kam, wo sie die letzten 32 Jahre ihres Lebens verbrachte. Erwähnenswert ist ferner, daß im Amtshaus der Dichter Gottfried August Bürger zeitweilig in der Familie seines Schwagers, des Amtsvogts Elderhorst, weilte, um der Schwester seiner Frau, der „Molly" seiner Lieder, nahe zu sein, die er im Jahre 1785 ehelichte.
So verdient der Fachwerkbau mit vornehmem Torflügel und Kaverlierhaus auf Grund seiner historischen Bedeutung erhöhte Aufmerksamkeit und besondere Pflege, die ihm nur zuteil werden kann, wenn das Gebäude unter der Obhut einer großen Gemeinde steht.

Burgdorfer Kreisblatt 27. Dezember 1955

Teil 2 - Das Haushalts- und Dienstgebäude des Amtshofes                     Treten Sie ein !

 Wie man sehen kann, entspricht diese Ansicht dem 2007 neuerbauten Bürgerhaus.
Bis zum Abriß 2006 war hier über Generationen das rechts abgebildete Kaufhaus Busse drin.

 

 



1622 findet sich unter den Akten, die den Amtshof betreffen, ein Brief der Großvogtei Celle an den derzeitigen Amtsvogt in Bissendorf Hans v. Harling. Darin antwortet die Großvogtei auf eine Beschwerde der Untertanen der Vogtei Bissendorf wegen geplanter Neubauten auf dem hiesigen Amtshofe, man möge ihnen diese Last nicht zu schwer machen. Möglicherweise handelt es sich um den geplanten Anbau des Westflügels am Wohnhaus des Amtsvogtes. Dieses Bauvorhaben ist  bei Dehio auf das Jahr 1611 datiert worden. Über die außerordentliche Belastung der Bauern wurde wohl deshalb geklagt, weil 1620 erst das Hinterhaus gebaut worden war und das Hannoversche Land in den Anfangsjahren des dreißigjährigen Krieges stark gelitten hatte.
Nach den Bauakten des Amtshofes 1649 und 1660, in denen von umfangreichen Reparaturen am Dach und Giebel, von Gründungsarbeiten und Erneuerung von 60 Fenstern die Rede ist, wird auch erwähnt, daß der Hof zu Celle das Wohnhausgebäude des Amtsvogts immer noch als Ablagerhaus zu Jagdzwecken gebraucht. Dies sei aber dem Hof in diesem Gebäude ohne Reparaturen zur Zeit nicht mehr zuzumuten. Die Arbeiten werden genehmigt und ausgeführt.
Quelle: NHStA. Celler Briefarchiv 61a Nr. 856Der Bericht vom 06. 03. 1799 soll darstellen, welche Gebäude von den Amtseingesessen und welche von der Herrschaft in Bau und Besserung gehalten werden müssen.
Da diese Auflage für die Hofbesitzer in der Amtsvogtei Bissendorf (entspricht der heutigen Gemeinde Wedemark) eine nicht unerhebliche zusätzlich Last ist, die zu den übrigen Abgaben und Contributionen hinzu kamen, haben die Bauern versucht, diese Verpflichtung, die anscheinend in ihrem Umfang über lange Jahre sehr strittig war, auf das allernotwenigste Maß zu drücken. Bei dieser Gelegenheit sind die Gebäude in ihrer Grundfläche vermessen worden, und es werden ihre Funktionen und Anordnung - allerdings nicht erschöpfend - erläutert. Es folgt eine ausführliche Beschreibung des Amtshofes anhand eines Kostenvoranschlages zum Unterhalt aus dem Jahre 1803:
Bericht der Amtsvogtey Bißendorff  und des churfürstlichen Baumeister Ziegler zu Celle vom
17.10.1799; Bausachen: Die Überschläge der dreijährigen Baukosten von 1800 bis 1803 betragend.

   

Teil 3 -das Kavaliershaus - heute Museum          Treten Sie doch einfach näher !



ca. 1960
- Kavaliershaus

Richard-Brandt-Museum - Ansicht Hofseite 2008

Ansicht Strassenseite 2008 mit Museums-Schild, rechts das Amtshaus
Bissendorf (ck). Seit 27.Mai 1981 trägt das Bissendorfer Heimatmuseum den Namen seines Gründers, Richard-Brandt, der sich nach fast 30jähriger Aufbauarbeit, die viel Engagement und Akribie erforderte, zurückzieht und die Leitung des Museums in jüngere Hände legt, die Hände von Gerhard Mathies.     
„Ich finde, wenn man 82 Jahre alt geworden ist, dann ist es langsam Zeit, sich zurückzuziehen“, sagte der Wennebosteler Heimatforscher, der in früheren Jahren eifrig auch heimatkundliche Beiträge für das Burgdorfer Kreisblatt geliefert hat. Bürgermeister Georg Reimann, der zusammen mit Gemeindedirektor Dr. Wolfgang Schrödter, Ortsbürgermeister Dieter Mysegades und Ortsratsmitgliedern zu der Feierstunde gekommen waren, würdigte die „unermüdliche Arbeit Richard Brandts, der sich um die Wedemark verdient gemacht hat.“ Der Bürgermeister erinnerte daran, unter welch schweren Umständen  Richard Brandt gerade in der Anfangsphase arbeiten mußte. Damals war die kleine heimatkundliche Sammlung noch im Amtshaus untergebracht, später zog sie dann ins Kavaliershaus um, ein ausgezeichneter Rahmen für ein Heimatmuseum. Gerhard Mathies (Gestorben2009), der Leiter der Bücherei, wurde der Nachfolger von Brandt und engagierte sich ebenfalls fast 20 Jahre für das Museum, bevor auch er im Mai 2000 den Stab abgibt an Gerhard Kutzner, der nun das Museum leitet. Da auch er ein Mann der Tat ist, hat das Museum, welches ja auch Räume oberhalb der Bücherei hat, inzwischen viele neue Exponate bekommen, u.a. eine Uhrenwerkstatt.
Gerhard MathiesG.Mathies 

 G.Kutzner

Weitere Bilder vom Amtshof Bissendorf


Kavaliershaus mit Amtshaus von der Burgwedeler Strasse ausGrösse 60 x 50 cm


Das Siegel des Königlich Britannischen und Kurfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Amtsvogteigerichts zu Bissendorf von 1714 – 1852, meistens in rotem Siegellack, zeigt das nach links springende Pferd seit 1714,  mit darüber schwebend. Krone und umlaufen- den Schriftzug:  >>Amt Bissendorff.<<

Inschrift im Torpfeiler <GW> Georg Wilhelm


2008 - Ansicht zum Haupteingang - heute Sitz des Standesamtes


Grabstein auf der Hofseite nahe Brunnen
Beschriftung siehe Schilder unter

Brunnen wiedererrichtet 1996,  im Hintergrund Duschenhof -44
Grabsteine am Westeingang zum Innenhof
Amtshof-Standesamt


Eingang zum Standesamt (Fenster links)                                                                      Gottfried-August-Bürger (1747-1794)

  Unser Museum -
  2008 immerhin fast 280 Jahre jung.



Beschreibung des Amtshauses, welches 1690 erbaut wurde.

Hinweisschild am Kavaliershaus auf der Seite Burgwedeler Strasse

Hinweisschild auf der Hofseite neben dem Museumseingang

Gottfried-August-Bürger (1747-1794), Professor für Germanistik, Dichter, Schriftsteller  -siehe Schild-
Nach ihm wurde die Gottfried-August-Bürger-Strasse benannt.

Stein aus 1651 <CL> Grösse  60 x 50 cm

Der Amtshof mit neuem Bürgerhaus zu Weihnachten 2007


2007 - So kann Stimmung aufkommen beim traditionellen Bissendorfer Weihnachtsmarkt auf dem erweiterten Amtshof

Der Amtshof (Innenhof) im Frühjahr 2008                       alle Farbfotos 2007/2008 ©Gerth